Ein Nähtalent - brauche ich das?




Mein kleiner Blog ist gestern schon einen Monat alt geworden. Inzwischen habe ich wirklich ganz viel genäht und vor allem ganz viel Geld im Stofflädeli ausgegeben (wie auf dem Foto zu sehen ist, wartet noch ganz viel Stoff auf mich). Meine arme Familie muss das alles ertragen, ständig die Erzählungen über neue Projekte und Schnittmuster anhören, überall Fäden und Stoffteile finden und dieses Geräusch der Nähmaschine... ahhh... Sie halten das aber aus! Was ich langsam nicht mehr aushalten kann ist dieses "achhh du hast aber ein Talent! Aber mir fehlt's, so schaadeee..." Hee? Was ist dieses Talent, eine spezifische Begabung oder die einfachste Ausrede um nichts zu machen?

Ich erinnere mich noch an meine Primarschule, wo ich gerne an verschiedenen Theaterwettbewerben teilgenommen habe. Viele Leute und zahlreiche Preise haben mir suggeriert, dass ich ein grosses Talent habe und dass mir sicher eine Karriere auf der Bühne bevorsteht. Wo bin ich jetzt? Im Bett, mit dem Compi und für Celebrity-Standards wahrscheinlich mit etwas Übergewicht. Wo ist dann mein Talent geblieben? Habe ich es an der Haltestelle beim Einsteigen in den Bus verloren? Nein! Ich habe es einfach nicht gepflegt! Mit der Zeit bin ich an einen anderen Ort gezogen, ein Theater war mir vielleicht 2 Haltestellen "zu weit" entfernt, und statt eine neue Rolle zu lernen, bevorzugte ich etwas Play Station zu spielen, oder mich mit meinem Freund zu unterhalten - "So gehen oft grosse Talente durch Unglück zugrunde"-Gajus Julius Phaedrus.


Die Frage ist jetzt, war das mein Talent, das ich im DNS Code geerbt habe, oder eine Bühnen-Faszination, Lob-Motivation oder stundenlanges Aussprachetraining? Friedrich Hebbel hat einmal geschrieben: "Jeder Mensch besitzt alle Talente, doch nur die hervorragendsten soll er ausbilden". Das beste Beispiel wäre Richard Feymann ein Physiker und Nobel-Preis Gewinner. Er war schon über 40 Jahre alt, als er mit einem Freund, Maler Jirayr “Jerry” Zorthian, gewettet hatte, dass er das Malen lernen würde. Ob das sein verstecktes Talent oder stundenlange Arbeit an Helldunkelmalerei usw. war, wissen wir nicht. Wie gut waren seine Bilder? Besser als meine Nähearbeiten!

Also jetzt, ab durch die Mitte, an die Sprachlehrbücher, Nähmaschinen, Kochherde und alle anderen Hobbys die wir irgendwann erfolglos aufgehört haben. Wenn nicht jetzt, wann dann?  

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